Liebe Frau Kettner! (Mitarbeiter von SportScheck Reisen/ Anmerk. d.Red.)
Ich hatte ja versprochen, dass ich mich melde, wenn ich wieder da bin und berichte.
Also: Ich bin absolut begeistert und noch immer am Verarbeiten der ganzen Eindrücke. So beindruckend habe ich mir das ganze nicht vorgestellt. Ein Bild steht für mich dabei stellvertrend für den ganzen Lauf: Das Einbiegen auf die First Ave. in Manhattan. Die Massen hört man schon mehrere hundert Meter vorher, dann biegt man rechts ab in die Ave. Und sieht nur Köpfe: tausende Läufer und hunderttausende Zuschauer. Und das auf fast 5 Km Länge. Ein absoluter Lärm, alle klatschen, johlen, feuern an. Und man selbst macht sich bewusst, die feuern einen selbst an, die feuern mich an. Mitten in New York. Solche Massen. Ein absolut atemberaubendes Bild und Eindruck. Da lief es mir zum ersten Mal kalt den Rücken runter. Dabei ging es nicht erst mit dem eigentlichen Lauf los. Schon in den Tagen zuvor wurde ich häufig auf den Marathon angesprochen und wie toll es wäre, dass ich als Ausländer an "ihrem Lauf" teilnehmen wrde. Mir wurde sogar allein für die Teilnahme in einem Lokal ein Abendessen ausgegeben. Die ganze Stadt hat wirklich auf diesen Tag hingefiebert.
Das Schöne war halt auch, dass ich mit ruhigem Gewissen mir halt nicht alles Sehenswerte in New York angeschaut habe, denn der eigentlich Grund, warum hierher gereist bin, sollte ja noch kommen. So hatte ich viel mehr Zeit hatte in Ruhe, die Atmosphäre dieser Stadt aufzusaugen. Ich habe einige Zeit in Parks verbracht, einfach das Leben genossen, mit den Einheimischen geplaudert, sozusagen die Seele baumeln lassen.
Absolut toll! Durch den Lauf habe ich New York so kennen gelernt, wie ich es mir intensiver nicht vorstellen kann. Vor allem auch deshalb weil der Lauf durch alle fünf Stadtteile geht. Man bekommt wirklich hautnah mit, wie kulturell unterschiedlich doch diese Stadt auf wenigen Meilen ist. Insgesamt waren über 2 Millionen Zuschauer an der Strecke. Wenn man sich vorstellt, an jedem vorbeigelaufen zu sein, ist das auch ein tolles Gefühl. Die New Yorker identifizieren sich wirklich absolut mit IHREM Marathon und versuchen, sich und damit die Stadt so gut möglich zu präsentieren. Schon vor dem Start im Sammelgebiet wurden wir Läufer angefeuert. Unterwegs haben Gospelchöre gesungen, Rockbands gespielt. Uns wurden Bonbons, Orangenschnitten und vieles andere angeboten. Kinder waren begeistert, wenn man sie abgeklatscht hat.
Da konnte ich mir nicht vorstellen, dass das noch zu steigern ist. Aber es ist möglich. Als es in Richtung Central Park ging, standen die Leuten in z.T. 7/8er Reihen und haben wirklich jeden egal ob er 100ster, 1000ster oder 10000ster war gleichermaßen lautstark angefeuert und ihm oder ihr das Geühl vermittelt, eine besondere Leistung zu vollbringen. Und der Zieleinlauf war dann noch mal eine Steigerung. Fast kaum vorstellbar, aber doch so. Da kam dann natürlich auch das Gefühl dazu, man hat es geschafft.
Leider lief es persönlich nicht ganz so gut. Zum einen war es extrem warm (über 20(!) Grad) und hohe Luftfeuchtigkeit. Zum anderen ist mir bei Meile 14 so ein Depp von Zuschauer, der grad unbedingt über die Strecke laufen musste, auf den Fuss getreten. Ich bin natürlich umgeknickt und der Fuss wurde auch gleich dick. Ganz toll! Bis dahin war ich noch gut in der Zeit. Aber ab dann, konnte ich dann nicht mehr richtig auftreten. Bei einem normalen Lauf hätte ich wohl wegen der Schmerzen und der Wärme aufgegeben.
Aber in NY gibt man nicht auf! Und so gings dann irgendwie weiter. Und da haben die Zuschauer und auch die Mitläufer ganz arg geholfen. Ohne die hätte ich echt Schluss gemacht. Nur so haben ich mich dann noch noch in 4h09m brutto/netto 4h 05 ins Ziel gebracht. Immerhin war ich dann trotz der für meine Verhältnissen sehr schlechten Zeit von 34000 Finishern als ca. 9800 unter den 10000 besten. Ist doch schon was. Und vor allem lässt das Potential für Verbesserung. Denn das war auf keinen Fall der letzte NYC-Marathon für mich. Das steht fest!!!
Meine Traumplanung für die nächsten beiden Jahre sieht folgendermaßen aus:
2004 im Mai Mainz, im September Berlin. Dann 2005 im April London und im November wieder New York. Sie sehen, Frau Kettner, ich werde wieder auf Ihre so bewährte, nachsichtige und charmante Hilfe zurückgreifen.
Wobei ich trotz aller Euphorie doch auch körperlich merke, wie anstrengend der Kurs doch ist. Richtig anstrengend wird in New York ja erst ab Meile 13,1. Gestern und vorgestern war ich immer noch froh, wenn ich sitzen konnte. Da allmählich auch mein Andrenalinspiegel nach unten geht, kommt der Jetlag immer mehr durch. Also ich werde jetzt auch mal allmählich Schluss machen und mir daheim noch ein Bad gönnen. ür den ersten Tag reichts auch.
Dann machen Sie es mal gut und bis bald, freue mich auf Ihre Antwort
viele Grüße
Christoph Bauer